In one chart:

Signalisieren die Rückgänge bei den Unternehmensgewinnen

eine Korrektur am Aktienmarkt?

 

Dieser Frage geht Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management, im folgenden Komentar nach:

„Rückläufige Gewinne werden oft als Anzeichen für eine dann folgende Korrektur an den Aktienmärkten gedeutet. Auf den ersten Blick mag das einleuchtend klingen, tatsächlich sind die Zusammenhänge jedoch komplizierter. Denn: Investoren müssten schon irrational handeln, um nicht aus der Vergangenheit zu lernen. Sinkende Erträge ergeben sich aus höheren Löhnen und höheren Kapitalkosten im Verhältnis zu den Umsätzen. In einer späteren Phase des Konjunkturzyklus begünstigt eine Wirtschaft, die sich oberhalb der Produktionslücke befindet, tendenziell den Arbeitsmarkt, während die Geldpolitik in einem solchen Fall typischerweise straffer ist. Die Frage ist vor diesem Hintergrund, ob die US-Notenbank Fed entscheidend zu einer weichen Landung beitragen kann oder ob ein Störfall wie das Platzen einer Blase bevorsteht. Aktien dürften grundsätzlich eine Delle bei den Unternehmensgewinnen durchstehen, da Investoren den größeren Konjunkturzyklus im Blick behalten. Wachstumsstarke Sektoren reagieren aufgrund des hohen Diskontierungssatzes der Cashflows jedoch sehr empfindlich auf temporäre Ertragsrückgänge. Ausgereifte Sektoren wiederum sind unter denselben Gegebenheiten weniger anfällig für vorübergehende Verluste. Die Frage bleibt also: Ist es rational, dass der Markt eine sanfte Landung der Wirtschaft ab 2020 erwartet? Die Chancen stehen offenbar gut.

Im ersten Quartal 2019 haben wir gesehen, dass die Unternehmensgewinne nicht nur unter Druck geraten, sondern zurückgegangen sind. In der gleichen Zeit waren Aktien stark nachgefragt, da die Fed eine längere Pause einlegte. Dabei ist wichtig zu bedenken: Unternehmensgewinne sind oft rückwärtsgewandt und werden von den Unternehmen gesteuert. Aus diesem Grund ist ihre Aussagekraft auch eher begrenzt. Die Betrachtung dieser Unternehmenskennzahlen wird als Bottom-up-Analyse bezeichnet, im Gegensatz zur Top-down-Analyse, die professionelle Investoren vornehmen. Telefonkonferenzen zu den Finanzergebnissen und die jeweiligen Ergebnisprognosen helfen dabei, ein vorwärts gerichtetes Bild zu gewinnen, sowohl von ausgereiften Branchen als auch von Wachstumsbranchen und deren jeweiligen Herausforderungen. Kit Kat zum Beispiel hat Preissetzungsmacht in den USA, nicht aber in Europa oder Japan. Mit diesem Cluster qualitativer Daten kann man die Top-down-Sicht überprüfen und verbessern. In einigen ausgereiften Sektoren, die weniger hohe Qualifikationen erfordern, gibt es zwar Anzeichen von Inflationsdruck, allerdings kaum Anzeichen für hohe Investitionsausgaben.

Gefahr für die Aktienmärkte geht derzeit weniger von der Entwicklung der Unternehmensgewinne aus als vielmehr von geopolitischer Seite. Die Verhängung höherer Zölle gegen China – und dies trotz des Besuchs von Vizepremier Liu in Washington D.C., der in die Staaten gereist war, um einen Deal auszuhandeln – führt zu einem negativen Bild im Reich der Mitte. Die USA müssten China etwas entgegenkommen, damit letzteres das Gesicht wahren kann, und tatsächlich sehen wir den Ansatz einer Strategie in diese Richtung. Erstens gibt es keine peinliche undichte Stelle in der US-Regierung, und zweitens wird es nun so dargestellt, als habe Präsident Trump die Erhöhung der Zölle im Alleingang und auf seine impulsive Art veranlasst. Umgekehrt hat China in letzter Zeit den Bogen tatsächlich überspannt und könnte dies erneut tun – unter der Annahme, dass die Regierung unter Trump Angst vor einer Korrektur des Aktienmarktes habe. In Wirklichkeit konzentriert sich die Trump-Administration vor allem darauf, dass ihr Oberhaupt wiedergewählt wird, und das kann durchaus bedeuten, die Zölle weiter zu erhöhen. Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wird China zuerst nachgeben, da es kurzfristiges Wachstum möglicherweise über längerfristige Ziele stellt? Die nächsten Tage könnten angesichts dieser geopolitischen Entwicklungen leider sehr volatil sein.“

 

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Über Nordea Asset Management:

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Nordea Asset Management unterhält Standorte in Köln, Kopenhagen, Frankfurt, Helsinki, London, Luxemburg, Madrid, Mailand, New York, Oslo, Paris, Santiago de Chile, Singapur, Stockholm, Wien und Zürich. Nordeas Präsenz vor Ort geht Hand in Hand mit dem Ziel, ansprechbar zu sein und unseren Kunden den besten Service zu bieten.

Der Erfolg von Nordea basiert auf einem nachhaltigen und einzigartigem Multi-Boutique-Ansatz, welcher die Expertise spezialisierter interner Boutiquen mit exklusiven externen Kompetenzen verbindet. Dies erlaubt uns, zum Wohle unserer Kunden ein stabiles Alpha zu generieren. Die Lösungen von NAM erstrecken sich über alle Anlageklassen, von festverzinslichen Anlagen und Aktien bis hin zu Multi-Asset-Lösungen, und über alle Regionen hinweg, sowohl lokal, in Europa als auch in den USA, global und in den Schwellenländern.

*Quelle: Nordea Investment Funds, S.A., 31.03.2019

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