Henning Padberg, Co-Portfoliomanager der Nordea Global Climate and Environment Strategie

Jüngste Ereignisse haben einmal mehr eine strukturelle Schwachstelle aufgezeigt, die die Weltwirtschaft bislang nicht vollständig beheben konnte. Als die Straße von Hormus geschlossen wurde und der Preis für die Rohölsorte Brent auf über 110 Dollar pro Barrel kletterte, griffen die Regierungen auf die üblichen Maßnahmen zurück: die Freigabe strategischer Reserven, die Umleitung von Pipelines sowie diplomatische Notfallmaßnahmen.

Die unbequeme Wahrheit ist, dass es keine verlässliche Absicherung gegen die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus politisch instabilen Regionen gibt. Zwar lässt sich die Versorgung diversifizieren, doch das zugrundeliegende Risiko lässt sich nicht allein durch Logistik oder Diplomatie vollständig beherrschen. Eine der überzeugendsten Lösungen – eine, die langfristig Wirkung entfaltet, die nationale Wettbewerbsfähigkeit steigert und zugleich Klimarisiken adressiert – besteht darin, von vornherein weniger Energie zu verbrauchen. Für Anleger eröffnet diese Erkenntnis eine der strukturell attraktivsten Chancen, die der heutige Markt bietet.

Diese Überzeugung bildet den Kern der Anlagestrategie „Global Climate and Environment“ von Nordea – und sie war selten zuvor so relevant wie heute.

Eine Strategie für die Herausforderungen unserer Zeit

Ressourceneffizienz ist nicht bloß ein Thema innerhalb dieser Strategie; sie bildet den zentralen Leitgedanken und macht etwa 70 % unserer gesamten Allokation aus. Dies spiegelt die feste Überzeugung wider, dass die wirtschaftlich und ökologisch vielversprechendsten Chancen im Zuge der grünen Transformation nicht allein in der Erzeugung neuer sauberer Energie liegen – so wichtig diese auch ist –, sondern vor allem in einer drastischen Effizienzsteigerung der bereits bestehenden Energiesysteme, Gebäude, Industrieprozesse und digitalen Infrastrukturen.

Gebäude allein machen fast 34 % der globalen CO₂-Emissionen aus, während dort nach wie vor viel zu wenig in Effizienzverbesserungen investiert wird1. Industrielle Prozesse verbrauchen Energie in einem Ausmaß, das sich durch moderne Automatisierung und Digitalisierung erheblich reduzieren ließe. Und Rechenzentren – die physische Infrastruktur, auf der die Revolution der künstlichen Intelligenz aufbaut – verbrauchen mittlerweile so viel Strom, dass ihr Bedarf mit dem ganzer Nationen vergleichbar ist2. Aus unserer Sicht stellt jede dieser Herausforderungen eine bedeutende Investitionsmöglichkeit für ein Unternehmen dar, das über die passenden Lösungen verfügt.

Die „Global Climate and Environment“-Strategie von Nordea basiert genau auf dieser Prämisse. Als Produkt gemäß Artikel 9 der Offenlegungsverordnung (SFDR)3 ist nachhaltiges Investieren hier kein nachrangiger Aspekt, sondern das ausdrückliche Ziel. Wir investieren in weltweit tätige Unternehmen, die marktorientierte Lösungen zur Bewältigung dringender Klima- und Umweltprobleme anbieten – Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen bereits im Einsatz sind und Umsätze generieren.

Zwei Motoren, die die Chance vorantreiben

Im Bereich Ressourceneffizienz haben sich in diesem Jahr zwei strukturelle Themen besonders stark herauskristallisiert.

Das erste ist das Gebot der Energieeffizienz, das im Zentrum der künstlichen Intelligenz steht. Der KI-Wettlauf, der ursprünglich als Konkurrenzkampf um reine Rechenleistung begann, hat sich zu einem Wettlauf um Energie entwickelt. Für die weltweit größten Technologieunternehmen hat sich Energieeffizienz von einem umweltpolitischen Anspruch zu einer operativen Priorität auf Vorstandsebene gewandelt.

Der Strombedarf von Rechenzentren wird sich voraussichtlich von 2025 bis 2030 in etwa verdoppeln – von rund 485 TWh auf nahezu 950 TWh. Dies ist ein Verbrauchsumfang, der bereits mit dem jährlichen Stromverbrauch Deutschlands vergleichbar ist4. Anwendungsspezifische Chiparchitekturen, moderne Netzwerkinfrastrukturen, Anlagen für die Halbleiterfertigung sowie Plattformen für das Energiemanagement spielen hierbei eine zentrale Rolle. Dieser Wandel ist bereits in vollem Gange.

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Modernisierung und der Ausbau des Stromnetzes selbst. Das durch KI vorangetriebene Wachstum von Rechenzentren, die Elektrifizierung von Verkehr und Wärmeversorgung sowie die Rückverlagerung industrieller Kapazitäten belasten die veraltete Netzinfrastruktur in erheblichem Maße

Die weltweiten Investitionen in Stromnetze, die im Jahr 2020 bei jährlich rund 300 Milliarden US-Dollar lagen, sind bereits stark angestiegen. Für den Zeitraum von 2026 bis 2035 wird weltweit ein Investitionsvolumen von insgesamt fast 6 Billionen US-Dollar prognostiziert – wobei allein auf die Vereinigten Staaten etwa 1 Billion US-Dollar entfallen5. Im größten US-Stromnetz sind die Auktionspreise für Kapazitäten auf Rekordwerte gestiegen; sie haben sich innerhalb von zwei Jahren nahezu verzehnfacht6.

Die Unternehmen, die diesen physischen Ausbau und die Modernisierung ermöglichen – von Ingenieurdienstleistern, die Übertragungsleitungen verlegen und Anlagen für erneuerbare Energien an das Netz anbinden, über Hersteller von Kabeln und Ausrüstungskomponenten für Hochspannungssysteme (die weltweit derzeit knapp sind), bis hin zu regulierten Versorgungsunternehmen, die diesseits und jenseits des Atlantiks Kapital investieren –, befinden sich an der Schnittstelle mehrerer bedeutender struktureller Wachstumstrends.

Das Stromnetz ist der Ort, an dem der KI-Boom, die Energiewende und die Rückverlagerung von Industrie aufeinandertreffen. Die Beseitigung dieses Engpasses dürfte als Wachstumstreiber fungieren.

Effizienz in der Praxis: Drei Dimensionen der sich bietenden Chancen

Die Tragweite des Themas Ressourceneffizienz – und der Grund, warum es ein Fehler wäre, es lediglich als Wette auf den Technologiesektor zu betrachten – lässt sich anhand von drei Unternehmen verdeutlichen, die wir im Portfolio halten:

Schneider Electric*, der französische Marktführer im Bereich Energiemanagement und industrielle Automatisierung, hat seit 2018 durch seine Plattform „EcoStruxure“ – eine offene IoT-Architektur, die Energieeinsparungen von 10–30 % in Gebäuden und bis zu 25 % in industriellen Betrieben ermöglicht – die eine Vermeidung von insgesamt mehr als 860 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten (CO₂e) bewirkt. Dies ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie ein gesamtes Geschäftsmodell darauf ausgerichtet werden kann, die Welt bei einer intelligenteren Energienutzung zu unterstützen.

Trane* ist ein führender Anbieter von Klimalösungen, die den Energieverbrauch mithilfe fortschrittlicher HLK-Systeme (Heizung, Lüftung, Klimatechnik) senken. Als bedeutender Akteur in Nordamerika und Europa7 werden die Kühllösungen von Trane bereits von großen Technologieunternehmen eingesetzt8. Allein die Kühlung macht 30 bis 40 % des Energieverbrauchs eines Rechenzentrums aus – ein enormes Potenzial für Effizienzlösungen9. Trane hat sich dazu verpflichtet, den CO₂-Fußabdruck seiner Kunden bis 2030 um 1 Gigatonne (Gt) CO₂ zu reduzieren (Scope 3)10.

Cognex* ist weltweit führend im Bereich der industriellen Bildverarbeitung (d. h. Kameras, Sensoren und Deep-Learning-Software, die in Fertigungslinien Bauteile prüfen, identifizieren und deren Handhabung steuern). Da das System Fehler in einem Umfang und mit einer Geschwindigkeit erkennt, die für Menschen unerreichbar sind, trägt Cognex direkt dazu bei, Materialverschwendung, energieintensive Nacharbeiten und Ineffizienzen in der Produktion zu verringern. Die Ergebnisse sind greifbar: So konnte der belgische Automobilzulieferer Ansomat nach der Einführung des Bildverarbeitungssystems „In-Sight 3800“ von Cognex die Zahl der Reklamationen im Zusammenhang mit Batterien für Elektrofahrzeuge um 90 % senken11. Dass diese Technologie heute in Bereichen wie der Elektromobilität, der Unterhaltungselektronik und der intelligenten Fertigung (Smart Manufacturing) eingesetzt wird, unterstreicht sowohl ihre wirtschaftliche Dynamik als auch ihre konkrete ökologische Relevanz.

Warum das jetzt wichtig ist

Die Ereignisse des Jahres 2026 haben unsere Investitionsthese nicht verändert – sie haben sie vielmehr bestärkt.

Ob es um geopolitische Spannungen, den durch KI steigenden Energiebedarf oder die Elektrifizierung von Verkehr und Industrie geht: All diese Herausforderungen führen zu einem wachsenden Druck auf die globalen Energiesysteme. Zwar bleibt ein Ausbau der Energieversorgung unerlässlich, doch auch eine höhere Effizienz bei der Erzeugung, Übertragung und Nutzung von Energie kann dazu beitragen, den Bedarf zu senken.

Daher steht Ressourceneffizienz weiterhin im Mittelpunkt unseres Investitionsansatzes. Wir sind davon überzeugt, dass Unternehmen, die dazu beitragen, Gebäude, Industrieanlagen, Rechenzentren und Stromnetze effizienter zu betreiben, einen strukturellen Bedarf decken, der weit über einzelne Konjunkturzyklen hinausreicht.

Da Energiesicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung zunehmend miteinander verknüpft sind, dürfte die Nachfrage nach ressourceneffizienten Lösungen auch in den kommenden Jahren hoch bleiben.

Die „Global Climate and Environment“-Strategie von Nordea investiert in Unternehmen, die Technologien, Infrastrukturen und Lösungen bereitstellen, um den Übergang zu einer ressourceneffizienteren Wirtschaft zu gestalten.